Angst

Angst gehört zum Dasein. Angst ist angeboren, erlernt, und familiär geprägt. Außerdem geht sie oft auf das Konto von vergangenen, schmerzlichen Erfahrungen. Jeder Mensch muss sich mit Angst auseinandersetzen, ob er will oder nicht.

Angst

Was ist Angst?

Angst wirkt auf verschiedenen Ebenen gleichzeitig

In unangenehmen Situationen kommt es leicht zur Aktivierung von Angst. Interessanterweise entspricht dies der Furcht - dem allseits bekannten Stresserleben. Das heißt, der Puls beschleunigt (Adrenalin wird ausgeschüttet), ein "Kloß im Hals" schwillt an, der Mund wird trocken... Kurz gesagt: der Körper fährt hoch!
Durch diese Phänomene soll eine sogenannte Kampf-Flucht-Reaktion ermöglicht werden. Der Mechanismus ist uralt. Man kann annehmen, dass er zu unserem archaischen Erbe gehört. Hätten unsere Vorfahren nicht dieselben Angstreaktionen gezeigt, hätten sie nicht lange in einer noch feindlichen Umwelt (z.B. während der Steinzeit) überlebt. Angst ist also prinzipiell sinnvoll, denn sie soll uns vor Gefahren schützen. Unsere heutige Umwelt ist zwar nicht jederzeit lebensbedrohlich, aber die uralten Angstmechanismen "sitzen" noch in unseren Gehirnen. Daher kann etwa ein cholerischer Boss (oder nur ein Autostau) extreme Kampf-Flucht-Tendenzen aktivieren. Nur: Wir können in solchen Situationen nicht kämpfen oder flüchten!
Angst zeigt sich übrigens auf folgenden Ebenen gleichzeitig: gedankliche Ebene, körperliche Ebene, gefühlsspezifische Ebene, verhaltensspezifische Ebene.

"Gute" Ängste

Dunkelheit, Höhe, Kriechtiere und Co.

Viele Ängste sind angeboren. Etwa die Angst vor Höhe. In einem bekannten Experiment setzte man Babys im Krabbelalter in die eine Ecke eines Forschungsraums. Die Mutter stand in der anderen. Dazwischen lag eine Glasplatte, und es hatte den Anschein, dass sich darunter ein Abgrund auftun würde. Die Mutter rief ihr Baby zu sich; es krabbelte los - und machte intuitiv am Rande der Glasplatte halt. Alle Babys im Experiment verhielten sich gleich. Ein Hinweis auf angeborene Verhaltenskomponenten.
Weitere angeborene Ängste sind: Furcht vor der Dunkelheit (Sind Sie schon einmal nachts durch ein Waldstück gelaufen?) und Spinnen.
Man kann annehmen, dass es sich hierbei um "gute" Ängste handelt, sie sollen unser Überleben sichern.

"Schlechte" Ängste

"Ich kann nicht flirten!"

Doch Angst kann auch aus dem Ufer laufen. Es gibt zum Beispiel zahlreiche Angststörungen. Betroffene leiden sehr darunter, obwohl die meisten einsehen, dass es sich um irrationale, kindische, total unangemessene Ängste handelt. Beispiel: Soziale Phobie. Hierbei nimmt der Betreffende stets an, die Mitmenschen würden ihn peinlich finden. Außerdem: Die Anderen würden einen "immer" so komisch anschauen.
Hinter Angststörungen steckt meistens ein sehr nachteiliger "Ursachen-Cocktail". Das heißt, zu einem "stressanfälligen" Temperament gesellen sich in der Kindheit nachteilige Erfahrungen und die Ausprägung von nachteiligen Denkmustern.
Es dauert gewöhnlich sehr lange, bis eine Angststörung "im Sande verläuft".
Ja, neben guten gibt es auch übertriebene (schlechte) Ängste. Man sollte sie angehen.

Angst überwinden

"Sei mutig!"

Angst kann durch vielerlei Methoden (dauerhaft) überwunden werden. Eine davon heißt: Reizkonfrontation (stammt aus der Verhaltenstherapie). Das heißt, der Betreffende setzt sich schrittweise derjenigen Situation aus, vor der er am meisten Angst hat. Fahrstuhl-Phobiker fahren so lange hoch und runter, bis die Angst verfliegt; Sozialphobiker stellen sich drei Stunden an die Theke eines überfüllten Pubs...
Denn: Angst vergeht von selbst. Da es sehr anstrengend für den Körper ist, das Angsterleben aufrechtzuerhalten, gibt er irgendwann auf.
Dadurch, dass Angst in der eigentlich gefürchteten Situation fehlt, kommt es zu Umstrukturierungsprozessen im Gehirn. Der Betreffende lernt, dass die Situation doch nicht so schlimm ist. Dies dient der Selbsttherapie.

Seinen Ängsten auf die Spur kommen

"Warum möchte ich das nicht?"

Auf der anderen Seite müssen wir nicht immer schmerzhafte Erfahrungen mit Objekten machen (etwa Tiere), um Angst vor ihnen zu entwickeln. Viele Ängste "erlernen" wir gewissermaßen von unseren Bezugspersonen in den ersten Lebensjahren. Es braucht etwa nur eine Mutter, die von ihrem Kind permanent dabei beobachtet wird, dass sie an die Decke geht, sobald sie zum Beispiel eine Maus sieht. Leicht kann so eine Phobie auf das Kind überspringen. Das gilt für viele Ängste.
Wer also sich selbst und seinen Ängsten auf die Schliche kommen will, kann sich auch mal die Ängste seiner Bezugspersonen bewusst machen. Vielleicht ähneln sie den eigenen. Wer Parallelen erkennt, tut schon viel, um seine Ängste zu besiegen. Man durchschaut sich selbst dadurch besser.

Bewusst mit Angst umgehen

"Ich brauche manchmal den Kick!"

Nachweislich macht es glücklich, wenn man seine Ängste besiegt. Sie müssen nur mal in die Gesichter von Fallschirmspringer oder Bungee-Jumpern schauen, und zwar vor und nach dem Sprung. Vor der Aktion regiert die (angeborene) Angst - vor Höhen. Höchste Alarmbereitschaft! Alle Stresshormone, die es gibt, werden ausgeschüttet. Vorlauf. Nach dem Sprung: Nun regiert das größte Glück, der größte Kick!
Das heißt jetzt nicht, dass Sie schnell so einen Sprung hinlegen müssen. Aber es bedeutet: Angst ist zwar manchmal hinderlich, aber Sie können sie überwinden - und das macht glücklich. Dies gilt für alle möglichen Ängste. Seien Sie mutig!

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