Geiz

Ist "Geiz wirklich geil"? Ein bekannter Werbeslogan will uns das weismachen. Wohl kaum. Sicherlich hat der Geiz auch Vorzüge, besonders im materiellen und vor allem im finanziellen Bereich. Geizige Menschen haben meistens kein Minus auf dem Konto. Klar. Doch im Zwischenmenschlichen - da hakt es.

Geiz

Geiz hat biografische Ursachen

"Man muss sparen!"

Psychologen wissen: Geiz hat immer biografische Ursachen. In der Regel erlebten die Betreffenden in der Kindheit "passende" Vorbilder, deren Werte verinnerlicht und dann zu eigenen Maßstäben wurden. Es kann zum Beispiel sein, dass man in armen Verhältnissen groß geworden ist; vielleicht wurde das Thema "Sparen" in Tausenden Variationen jeden Tag am Mittagstisch breitgetreten. Gerade in der Kindheit werden die wichtigsten Kommunikationsmuster und Angelegenheiten der Eltern wahrgenommen, und sie schlagen sich im Gehirn nieder, werden dadurch zu eigenen Lebensthemen.

Geiz aus der Sicht der Psychoanalyse

Fixierung an die anale Phase

Nach Sigmund Freud, dem Begründer der Psychoanalyse, sind extrem geizige Menschen an eine bestimmte frühkindliche Entwicklungsphase fixiert; sie wird "anale Phase" genannt. In dieser Zeit (2. Bis 3. Lebensjahr) entsteht das Ich-Bewusstsein und häufig steht die Sauberkeitserziehung an. Auch entstehen erste richtige Konflikte, da der Heranwachsende auch in dieser Zeit häufig "Nein!" sagt. Gerade in Hinsicht auf die Sauberkeitserziehung heißt das: Heranwachsende merken schnell, dass sie autoritäre Bezugspersonen ärgern können, wenn sie ihr "Geschäft" gerade dann einhalten, wenn Mama oder Papa will, dass das Kleine aufs Klo geht.
Nach der Psychoanalyse bleibt das Thema "Behaltenwollen" bei entsprechend Fixierten im späteren Leben relevant und erstreckt sich insbesondere auf Geldangelegenheiten.

Geiz und Arbeitsverhalten

Möglichst alles ordentlich und richtig machen

Bestimmt Geiz die Persönlichkeit des Betreffenden maßgeblich, so dominieren auch die Prinzipien "Ordnung", "Struktur", "Sauberkeit", "Sparsamkeit". Diese Prinzipien zeigen sich auch im Beruf (häufig wählen Betreffende nicht aus Zufall "sichere" Beamtenberufe).
Ständig will man Arbeitsabläufe optimieren, "Unnützes" einsparen... Ist der Chef etwa sehr geizig, wird natürlich in erster Linie am Gehalt der Mitarbeiter gespart, egal ob die Firma 20.000 oder 20 Milliarden Euro Gewinn im Jahr macht.

Geiz und Gefühle

"Darüber müssen wir erst reflektieren!"

Interessant ist ein auftretendes Begleitphänomen, das von geizigen Menschen häufig offenbart wird: gemeint ist eine extrem ausgeprägte Gefühlskontrolle. Betreffende wirken stark emotional gehemmt, scheinen auch in Hinsicht auf Gefühle sparsam getaktet zu sein. Viele Ehefrauen wissen hiervon ein Lied zu singen. Auf die Frage: "Liebst du mich?" erhalten sie meistens keine Antwort "aus dem Bauch heraus", sondern eine gestelzte, etwa: "Nun, da müssten wir erst einmal klären, was denn genau Liebe ist."

Geiz und Besitz

"Nein, das wird auf keinen Fall weggeworfen!"

Viele Geizige sind sogenannte "Messies". Nichts, aber auch gar nichts kann leichten Herzens weggegeben werden, auch nicht an die eigenen Kinder. Der überfüllte Keller und ein Dachboden, der aus allen Nähten platzt, sind entsprechende Indizien für messiehafte Ambitionen.
Uralte Haushaltsgeräte, Freizeitartikel... werden bei etwaigen Umzügen stets mitgeschleppt. Denn: "Wer weiß, wofür man dieses oder jenes noch alles gebrauchen kann, immerhin hat das mal viel Geld gekostet."

Warum Geiz nicht glücklich macht

Den Sinn des Lebens verfehlen

Geizige Menschen werden in der Regel in unserer Gesellschaft nicht sehr geschätzt. Moderne Werte sind bekanntlich "Nächstenliebe", "Zivilcourage", "Unterstützung". Oft werden die Betreffenden auch im eigenen sozialen Umfeld isoliert, da die üblichen Gesprächsthemen (Geldanlage, Sparen, die "teure Welt"...) irgendwann den anderen auf den Wecker gehen, besonders wenn es sich nicht um "Gleichgesinnte" handelt. Andere im sozialen Umfeld vergrault man mit lächerlichen Geburtstags- und Weihnachtsgeschenken. Fehlt irgendwann entsprechend positives soziales Feedback, so fehlt nichts anderes als das Fundament des Glücklichseins. Denn der größte "Kick", das ist der Mitmensch.

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