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Kurzkrimis

Wahlkampf in Griechenland

Die politische Stimmung in Griechenland ist geladen: Das Land rückt dem Abgrund immer näher, die Politiker konkurrieren mit allen Mitteln. Die gefährlichste Frage betrifft den Erhalt der Währung, des Euro. Lösungen für den Umgang mit den hohen Schulden werden kaum noch diskutiert. Da hilft nur noch eins.

Wahlkampf in Griechenland

Wahlkampfrede der linken Partei

Costas Kanakaredes stand an einem hohen Pult auf dem großen Syntagma-Platz vor dem Parlamentsgebäude und bewegte sich hektisch, während er seine Wahlversprechen aussprach. Der kleine, drahtige Mann wusste genau, was er tat. Es gelang ihm, das Volk mitzureißen. Das musste Nephele Tsantidis ihm lassen. Mit jeder Zustimmung, die er von seinem Publikum erhielt, fühlte sie sich verlorener. Dabei war sie freiwillig unter den Zuschauern. Sie wollte sich ein Bild davon machen, wie sie ihren Gegner bei den Wahlen am nächsten Sonntag einschätzen konnte. Und was sie nun erlebte, ließ ihr das Blut in den Adern gefrieren. Dieser Außenseiter könnte tatsächlich gefährlich werden.
"Wollt ihr ein Leben lang Schulden bezahlen, die ihr nicht verschuldet habt?"
"Nein!"
"Wollt ihr einer Gemeinschaft angehören, von der ihr ein Leben lang abhängig seid?"
"Nein!"
"Wollt ihr eine Währung, die euch ins Unglück getrieben hat?"
"Nein!"
Die Massen tobten.
"Dann wählt Das Radikale Linksbündnis (Saryzia). Wir werden die guten alten Drachmen wieder gegen den Euro eintauschen und mit einem Schlag sind wir alle Schulden..."
Dann kam nichts mehr.
Mit einem starren Blick schaute Costas Kanakaredes auf, verzog seinen Mund zu einem O, bis er sich wie in Zeitlupe zur Seite neigte und vom Pult fiel.
Sicherheitsleute versperrten sofort jede Möglichkeit, zu dem Politiker zu gelangen. Andere Männer in schwarzen Uniformen suchten das Gelände ab, wobei sie ihre Waffen herauszogen. Die Menschen gerieten in Panik und flohen.
Nephele Tsantidis folgte ihnen. Aus den Augenwinkeln konnte sie erkennen, wie die Bereitschaftspolizisten der Eingreiftruppe MAT heranstürmten und das ganze Gelände absuchten. Sie beeilte sich, den Abstand zu diesen Männern zu vergrößern, damit sie nicht ins Visier der Ermittlungen geriet.
Erst als sie wieder zu Hause war, konnte sie aufatmen. Ihr Herz schlug ihr bis zum Hals. Auf dem Schreibtisch lag die Rede, die sie für ihre eigene Wahlveranstaltung vorbereitet hatte. Sie musste sie nach den jüngsten Ereignissen umschreiben. Nicht nur, weil Costas Kanakaredes einem Attentat zum Opfer gefallen war. Nein! Für sie galt nun, nicht nur ihre eigenen Wähler, sondern auch die Zweifler der Gegenpartei zu überzeugen und für sich zu gewinnen. Das Telefon auf ihrem Schreibtisch klingelte. Sie schaute auf das Display und las den Namen ihres Neffen Timon. Sie beschloss, nicht abzuheben.

Guten Aussichten für die Gegenpartei

Mit neuer Energie betrat Nephele am nächsten Morgen das Wahlbüro. Sie hatte die ganze Nacht durchgearbeitet. An Schlaf war in diesen turbulenten Zeiten nicht zu denken. Nun stand ihre überarbeitete Rede und sie fühle sich siegessicher. Doch als sie das Gesicht ihrer engsten Mitarbeiterin Dimitra Peleus sah, verging ihre gute Laune.
"Du schaust mich an, als sei die Wahl schon verloren", schimpfte Nephele zur Begrüßung.
"Hast du nicht mitbekommen, was mit Costas Kanakaredes passiert ist?", fragte Dimitra zurück.
"Doch! Aber das ist doch kein Grund, den Kopf in den Sand zu stecken."
"Die Polizei hat den Schützen nicht gefasst."
"Bei der Arbeitseinstellung, die diese Jungs haben, wundert mich das nicht", schnaubte Nephele.
"Du sollst morgen auf dem gleichen Platz eine Gegenrede halten", meinte Dimitra mit hochrotem Gesicht. "Ich bitte dich, diesen Termin abzusagen. Das ist unter diesen Umständen viel zu gefährlich."
"Ach was!", wehrte Nephele ab. "Wer Costas Kanakaredes erschossen hat, ist eindeutig ein Gegner seiner hinterhältigen Politik. Ich schlage einen ganz anderen Kurs ein. Also hat der Schütze gar keinen Grund, mich ebenfalls zu erschießen."
"Du bist ganz schön mutig!" Dimitra schüttelte den Kopf. "Hoffentlich nicht zu mutig."
"Wäre ich keine Kämpferin, stünde ich morgen nicht an diesem Pult, um für meine Politik zu werben."
Damit war für Nephele das Thema erledigt.
Am Nachmittag erhielt sie Besuch von Leandro Nikopolidis, dem Chefermittler der Kriminalpolizei. Sie kannte diesen Mann schon lange. Dabei war es ihr bis heute nicht gelungen, sich an seine lange, gekrümmte Nase zu gewöhnen. Eigentlich war das ein Symbol für Aristokratie und Schönheit. Doch Nephele fühlte sich dadurch gestört. Dieser Mann wirkte auf sie, als wollte er seine Nase überall hineinstecken. Und tatsächlich bat er sie, auf ihre Wahlveranstaltung zu verzichten. Das Gespräch war schnell beendet, weil Nephele nicht bereit war, darüber zu diskutieren.

Der große Tag der demokratischen Partei

Der große Tag für Nephele Tsantidis fing vielversprechend an. Das Wetter zeigte sich von seiner schönsten Seite. Von der Gegenpartei erfuhr sie, dass dort immer noch über einen Nachfolger für Costas Kanakaredes verhandelt wurde. Die Parteispitze wurde sich nicht einig. Das war gut, denn damit vergraulte man sich seine Wähler.
Nur Dimitra trat ihr wieder einmal mit einem verzagten Gesichtsausdruck entgegen. Zur Begrüßung meinte sie: "Der Schütze wurde immer noch nicht gefasst. Die Security hat mich gebeten, dir diese Veranstaltung auszureden. Der Platz ist nach allen Seiten offen, sodass sie dich unmöglich vor einem solchen Anschlag schützen können."
"Ich kann mich selbst schützen", lautete Nepheles Antwort.
Damit war das Thema beendet. Sie würde ihre Rede halten. Davon konnten sie keine zehn Pferde abbringen.
"Also konnte Leandro Nikopolidis dich auch nicht überzeugen?"
"Hast du mir den Bullen auf den Hals gehetzt?"
Erschrocken wich Dimitra zurück.
Sie begannen mit ihren Vorbereitungen.
Am Nachmittag betrat Dimitra das Büro ihrer Chefin und sagte: "Ein Timon Sarikarkis ist in der Leitung und will mit dir sprechen. Wer ist das?"
"Niemand, den du kennen müsstest", wich Nephele unfreundlich aus. "Das Gespräch nehme ich nicht an."
"In Zeiten wie diesen müssen wir aber wissen, mit wem wir es zu tun haben", verdeutlichte Dimitra. "Also, wer ist dieser Timon?"
"Er ist nicht wichtig!" Nephele warf Dimitra einen Blick zu, der sie davon abhielt, weiter nachzuhaken.

Die Wahlkampfrede

Dann war es endlich soweit.
Nephele Tsantidis stand endlich selbst an dem hohen Pult, schaute auf die Menschenmenge herab und sprach vom Wahlkonzept der Nina Demokrazia. Dabei schaffte sie es, das Publikum ebenfalls mitzureißen. Wie in Ekstase fühlte sie sich, während sie redete und redete. Nichts konnte ihre Freude trüben, bis auf die vielen Sicherheitsleute, die wie eine schwarze Armee durch die Menschenmenge marschierten und jeden unfreundlich anvisierten.
Die Veranstaltung endete mit tosendem Applaus. Lebend verließ Nephele das Pult und die Bühne. Dimitra fiel ihr erleichtert in die Arme.
Nachdem sich die Menschenmenge entfernt hatte und Nephele endlich ihrem Feierabend entgegengehen konnte, stellte sich ihr ein Mann in den Weg. Erschrocken zucke sie zusammen. Erst beim zweiten Hinsehen erkannte sie ihren Neffen Timon.
"Verdammt, was suchst du hier?", zischte Nephele.
Doch es war zu spät. Wie aus dem Nichts tauchte Kriminalkommissar Leandro Nikopolidis auf und legte ihnen Handschellen an.
"Glauben Sie, ich hätte Ihre Kontobewegungen nicht überprüft?", fragte er Nephele. "Ihre Courage, trotz des Attentats auf Ihren Gegner hier aufzutreten, hat mich misstrauisch gemacht."

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