Lügen

Lügen - ein heikles Thema. Tatsächlich sind wir alle kleine oder große Lügner. Es stellt sich die Frage: Ab wann wird es mit dem Lügen problematisch? Das gilt für den Umgang mit sich selbst und mit anderen.

Lügen

Babys lügen nicht, Kinder schon

"Hunger!" - "Saubermachen!" - "Müde!"

Wer Kinder hat, wird es wissen: Säuglinge melden ohne Weiteres spontan und "ehrlich" ihre Bedürfnisse an. Hierzu machen sie sich bekanntlich vor allem verbal bemerkbar. Sie kennen bestimmt die Volksweisheit: Babys und Betrunkene sind ehrlich. Da ist was dran. Alkohol enthemmt bekanntlich und führt dazu, dass Hirnregionen, die für die Kontrolle der Affekte und die Emotionsregulation verantwortlich sind, "runterfahren".
Babys andererseits verfügen noch gar nicht über Hirnabschnitte, die ihre Emotionen kontrollieren könnten. Daher kommt die Anmeldung eines Bedürfnisses "ungebremst" daher.

Wenn die Lüge ein Mittel zum Zweck wird

"Der hat mir Aua gemacht!"

Etwa in der Mitte des zweiten Lebensjahres kommt es beim Heranwachsenden zu einem existenziellen Moment: das Ich-Bewusstsein entsteht. In diesem Alter müssen sich die Kleinen bereits mit ihren Bedürfnissen und denen der Anderen auseinandersetzen. Erstaunlicherweise lernen Heranwachsende sehr schnell, wie sie ihre Eltern manipulieren können (das ist normal und kommt aller Wahrscheinlichkeit nach bei jedem Kind vor). Im Vordergrund stehen dabei immer Bedürfnisse. Ein zentrales Bedürfnis ist etwa Aufmerksamkeit. Wenn Eltern in dieser Phase nicht aufmerksam sind und auf die ersten Manipulationsversuche ihrer Lieben eingehen, kann es sein, dass eine solide Lügen-Grundlage gelegt wird.
Beispiel: Geschwistereifersucht. Es ist sehr nachteilig, wenn Eltern auf die verschiedenen Psychospiele ihrer Kinder ("Der hat mir Aua gemacht!") hereinfallen. Schon früh sollte man stattdessen damit beginnen, den Nutzen der Authentizität zu vermitteln. Ansonsten werden aus "kleinen Lügnern" später einmal sehr große.

Kleine Lebenslügen

"Ja, es hat geschmeckt!"

Sie kennen bestimmt den Klassiker: Sie sitzen in einem Restaurant. Der Abend neigt sich dem Ende zu. Ihr Dessert steht noch vor ihnen. Ungenießbar! Den Hauptgang haben Sie über sich ergehen lassen. Nun ist es genug. Sie verlangen die Rechnung. Die Bedienung kommt vorbei, reicht ihnen den Zettel und fragt: "Na, hat es Ihnen geschmeckt?" Nun, dem war bekanntlich nicht so. Trotzdem sagen Sie: "Ja, es hat geschmeckt!"
Keine spektakuläre Sache, klar. Wieso sich den Stress geben? Die Frage ist aber: Lügen wir oft unbewusst (wie im Restaurant)? Bei den sogenannten kleinen Lebenslügen liegen die Dinge keineswegs im Argen. Man sollte sich aber darüber bewusst sein, wann man wie lügt - und vor allem: wie oft? Das gehört zu einem authentischen, bewussten Lebensstil dazu.

Große Liebeslügen

"Ich liebe meinen Job! Ganz ehrlich!"

Therapeuten, die ihren Klienten auf den Zahn fühlen, aber auch gute Menschenkenner kommen sehr schnell auf den "Trichter": Viele Menschen praktizieren einen Lebensstil, der nicht unbedingt ihren wahren Bedürfnissen entspricht. Klar ist aber auch: Das Leben ist bekanntlich kein Wunschkonzert. Wie viele etwa einen Job ausüben, der ihnen eigentlich gar nicht gefällt, steht in den Sternen. Es dürfte aber einige Menschen geben, die sich selbst und anderen einreden: Alles ist "easy". Kann man in diesem Fall von einer großen Lebenslüge sprechen? Schon. Und da große Lebenslügen mehr oder weniger die Psyche belasten, darf sich jeder einmal entsprechend an die eigene Nase fassen. Es wirkt erfahrungsgemäß sehr befreiend, wenn man seinen eigenen Bedürfnissen mal "Luft macht". Dies funktioniert meistens ganz gut, wenn man sich mit dem Partner zusammensetzt und gemeinsam reflektiert.

Wann man lügen und wann man darauf verzichten sollte

"Ich möchte das nicht!"

Gerade in Partnerschaften kommt es vor, dass mindestens einer der beiden seine Bedürfnisse verdrängt, um es dem Anderen recht zu macht. Daran ist prinzipiell nichts auszusetzen, wenn der Betreffende dies bewusst so will und nicht selbst darunter leidet.
Partner sind nicht immer ehrlich. Sie brauchen nur an das bekannte Thema Eifersucht zu denken. Würden Sie Ihrer besseren Hälfte erzählen, dass sie letztens eine Person gesehen haben, die Sie stark sexuell gereizt hat? Wohl eher nicht, oder?
Auf der anderen Seite kann es belastend sein, seine eigenen Bedürfnisse auf Dauer zu verdrängen. Wer das Gefühl hat, er ist davon betroffen, kann etwa auch einmal ein authentisches Gespräch mit seinem Partner führen.

Bewusst lügen - bewusst authentisch sein

"Na Schatz, wann hast du denn heute ein bisschen geflunkert?"

Dass Partner miteinander gerne über die soziale Umwelt lästern, ist eine Binsenweisheit. Gemeinsames Lästern schweißt zusammen. Wieso sollte das nicht auch in Hinsicht auf das Thema Lügen klappen?
Das heißt: Setzen Sie sich doch mit Ihrem Partner beziehungsweise mit einem Menschen, der Ihnen sehr nahe steht, zusammen - und dann sprechen Sie mal über das hier behandelte Thema.
Leicht findet man Gemeinsamkeiten. Auch humorvolle Geschichten ergeben sich. Gespräche über die Angelegenheit "Wann lüge ich?" können die Paar-Identität neu definieren. Aber übertreiben Sie nicht!

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