Schicksal

Zufall oder Schicksal? - Im Rückblick erscheinen positive, aber auch negative Situationen in unserem Leben als letztlich "sinnvoll" beziehungsweise unnötig. "War das Zufall oder Schicksal?", fragen wir uns dann und wann. Beides hat Auswirkungen.

Schicksal

Schicksalsschläge sind harte Schläge

Wenn wir Grenzerfahrungen machen

Unser Alltag verläuft in der Regel sehr unspektakulär. Montag bis Freitag heißt es: morgens aufstehen, Frühstück, arbeiten, Feierabend, Heimfahrt, Abendessen, Bett. So oder so ähnlich läuft es in Millionen Haushalten ab. Letztlich leben wir aber nur in einem scheinbaren Friedenszustand. Denn jederzeit, das zeigt schon ein Blick in die Tageszeitung, kann uns der eine oder andere Schicksalsschlag ereilen, etwa in Form eines Autounfalls, Herzinfarkts... Passiert entsprechend etwas Unerwartetes, so versuchen wir (wieder), das Geschehen einzuordnen, zu deuten.

Zufall oder Schicksal?

Eine Frage der subjektiven Einstellung

"War es Zufall, dass ich zur falschen Zeit am falschen Ort war - oder war es Schicksal?" Nun, bekanntermaßen sind beide(!) Möglichkeiten recht schwer zu beweisen. Genauer gesagt, es ist eine Art Glaubenssache, ob man das Schicksal oder den Zufall für real hält. Religiöse Menschen gehen vom Schicksalsprinzip aus. Demnach gibt es ein übergeordnetes, allmächtiges Gesetz, dem wir Menschen zeit unseres Lebens unterworfen sind. Wir können tun, was wir wollen: Das Schicksal bestimmt letztlich, was mit uns geschieht.
Und dann gibt es noch diejenigen, die meinen: "Quatsch, alles ist Zufall!" Beide Überzeugungen haben Auswirkungen.

Folgen des Zufallsprinzips

"Ist doch eh alles egal!"

Wer das Zufallsprinzip sympathisch findet, geht sicherlich aus seiner Perspektive unbelasteter durchs Leben. Passiert mal was Unvorhergesehenes, so nimmt der Betreffende eventuell dem Ganzen den Schrecken, indem er sich sagt: "Tja, passiert, war Zufall, was soll man da machen?" Auf der anderen Seite ergeben sich aber vielleicht fragwürdige (unmoralische) Handlungen, weil man ja vom völligen Relativismus überzeugt ist ("Alles ist relativ, weil zufällig; und daher ist es auch egal, wie ich mit meinen Mitmenschen umgehe!").

Folgen des Schicksalsprinzips

"Es musste so kommen!"

Auch Anhänger des Schicksalsprinzips sind auf den ersten Blick in einer guten Lage. Unfälle, persönliche Niederlagen, Nahtoderfahrungen... werden auf das Schicksalsprinzip bezogen ("Ja, das musste so kommen, es war Schicksal!"). Daran ist zunächst einmal nichts schlecht. Ebenso unmoralisch wird es aber dann eventuell, wenn man eigene Vergehen - die den Mitmenschen schadeten - auf das Schicksalsprinzip bezieht und sich auf diese Weise herausredet.
Wer vom Schicksalsprinzip überzeugt ist, darf nicht die Verantwortung für sein Handeln "abtreten".

Vor- und Nachteile des Zufallsprinzips

"Ich gebe eben mein Bestes!"

Auf der anderen Seite schafft das (relativistische) Zufallsprinzip auch einen großen Freiraum für moralisches Handeln. Selbst wenn ich davon überzeugt bin, dass "alles egal ist", so kann ich doch meinem Leben selbst(!) einen moralischen Sinn geben, indem ich anderen helfe, so gut, wie es eben nur geht.
Dadurch werde ich meines Glückes Schmied. Aus der Passivität heraus kann ich aktiv mein Leben, meine Existenz gestalten. Alleine schon dadurch werde ich gewissermaßen zum positiven Schicksal für andere.

Vor- und Nachteile des Schicksalsprinzips

Gemütsruhe einerseits, eventuelle Passivität andererseits

Wer an die Macht des Schicksals glaubt, der sieht selbst in den sogenannten Grenzerfahrungen des Lebens einen Sinn. Wenn vielleicht der Ehepartner plötzlich in einen Verkehrsunfall verwickelt wird, dann war das letztlich eben "Schicksal" - aus Sicht des "Schicksalsgläubigen". Eine solche Philosophie trägt sicherlich dazu bei, das innerpsychische Gleichgewicht aufrechtzuerhalten.
Andererseits liegt aber gerade darin die Gefahr, im Alltag öfter mal auf "Autopilot" umzuschalten und den Dingen ihren Lauf zu lassen. Das ist nicht immer gut und sollte bedacht werden.

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