Vollpfosten

Es gibt eine große Auswahl an Bezeichnungen, die wir und unsere Mitmenschen verwenden, um andere zu beschimpfen: "Arschloch", "Depp", "Schwachmat" - und eben auch "Vollpfosten". Damit will man vor allem seine Geringschätzung zum Ausdruck bringen. Doch was einen "Vollpfosten" letztlich zum "Vollpfosten" macht, das ist immer relativ.

Vollpfosten

Was macht einen "Vollpfosten" zum "Vollpfosten"?

"Wie kann man nur...?"

Sehr schnell kommen uns Schimpfwörter in den Sinn, wenn ein Mitmensch Meinungen, Werte und Ansichten vertritt, die unseren total widersprechen. Oder, wenn jemand unseren Erwartungen nicht entspricht, sagen wir etwa: "Oh Mann, jetzt kommt der Depp wieder zu spät!"
Insbesondere ist das Thema relevant, sobald wir zu dem Schluss kommen, der andere sei ein "bisschen dumm" oder "blöd", "minderbemittelt".

"Vollpfosten" wissen nicht, dass sie "Vollpfosten" sind

"Ich bin doch nicht blöd!"

Unser Gehirn ist so strukturiert, dass unser Psyche möglichst oft im Gleichgewicht ist. Das ist sinnvoll. Es wäre auch ziemlich schlecht, das ist ganz klar, wenn die meisten Menschen sich übermäßig oft mit den eigenen Fehlern beschäftigen würden. Die Natur hat hier einen Selbstwertgefühl-Schutzmechanismus eingebaut, der ein Segen und ein Fluch zugleich ist. Ein Fluch ist er deshalb, weil wir bei Konflikten automatisch die Ursache beim anderen und nicht bei uns selbst suchen.
Hieraus folgt, dass selbst die größten "Vollpfosten" gar nicht wissen, dass sie "Vollpfosten" sind. Die Betreffenden hauen etwa permanent ihre Mitmenschen in die Pfanne und finden gar nichts Abnormes daran.

Eigenarten von "Vollpfosten" - 1. Vorurteile

"Die anderen sind halt so und so!"

"Vollpfosten" - und diese Bezeichnung meint jetzt nicht wertend(!) "normale" Menschen, die die hier thematisierten Eigenarten zeigen - haben zahllose Vorurteile, vor allem solche, die sowohl das eigene Selbstbild schützen als auch unmoralische Verhaltensweisen rechtfertigen. Wachsen solche "Vollpfosten" etwa in dörflichen Regionen auf, so ist es für sie "ganz" normal, dass das Nachbardorf aus lauter "Vollpfosten" besteht; ebenso sind alle Städter "Vollpfosten"; wie auch alle Menschen, die "anders" sind als die Bekannten und Freunde aus der Nachbarschaft. Fremdenfeindlichkeit gehört ebenfalls dazu (ganz normal halt).
Was man nicht sieht: Die eigene Wahrnehmung ist, obwohl sie stark eingeschränkt ist, als solche dem Betreffende gar nicht bewusst.

Eigenarten von "Vollpfosten" - 2. Mangelhaftes Einfühlungsvermögen

"Mir geht nichts über mich!"

Über ihre innerpsychischen Prozesse wissen "Vollpfosten" in der Regel - nichts. Manche treten daher auch mit einem reinen Gewissen in Talkshows auf, um aller Welt zu verkünden, wieso ausschließlich der Ehepartner für die Probleme verantwortlich ist. Solche Sendungen haben jeden Tag hohe Einschaltquoten (ein paar Millionen Haushalte schauen zu).
Interessant hierbei ist: Die Zuschauerinnen und Zuschauer schauen sich solche Sendungen vor allem deshalb an - das haben Studien ergeben -, um sich über die Gäste lustig zu machen. Wie man sieht, klafft die Schere zwischen der Selbst- und Fremdwahrnehmung aufseiten der "Vollpfosten" weit auseinander.

Eigenarten von "Vollpfosten" - 3. Andere nerven und nichts davon merken

"Habe ich euch schon erzählt...?"

Wer in seinem unmittelbaren Wirkungskreis "Vollpfosten" erleben muss, der weiß vor allem eins: Sie nerven - und merken es gar nicht. Die Tante etwa wird bei Familienfeiern zur Quasselstrippe (alle müssen ihr zuhören), Opa erzählt zum x-ten Mal dieselbe Story, der Onkel behelligt alle Anwesenden mit seinen langweiligen Berufserlebnissen.
Sie haben sich in diesen Fällen vielleicht schon innerlich vor die Stirn geschlagen und gesagt: "Man muss doch merken, wenn man allen anderen auf die Nerven geht!"
Diese Feststellung ist leider nicht richtig. "Vollpfosten" merken es wirklich nicht.

Tipps zum Umgang mit "Vollpfosten"

Gelassenheit und inneren Abstand herstellen

Es bringt daher auch nicht viel, bei der nächsten sich bietenden Gelegenheit dem einen oder anderen "Vollpfosten" die Meinung zu geigen. Das wird beim anderen nicht ankommen, weil es das Selbstwertgefühl beeinträchtigen würde. Und, wie oben schon erwähnt, sind wie alle von Mutter Natur entsprechend mit einem innerpsychischen Schutzmechanismus ausgestattet worden. Am Ende einer solchen Konfrontation würde der "Vollpfosten" wahrscheinlich denken: "Was ist denn mit dem los? Hat der zu Hause Stress?" (Sie können sich eine solche Konfrontation aber sicherlich herausnehmen, wenn Ihnen die Person, um die es geht, egal ist.)
Der Tipp: Stellen Sie inneren Abstand her, "Vollpfosten" meinen es nie persönlich, verringern Sie so gut es geht die Zeitspanne des Zusammenseins. Das heißt, praktizieren Sie das Motto "Leben und leben lassen" - auch wenn "Vollpfosten" gerade dazu nicht imstande sind.

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