Amoklauf

Die Fälle in Winnenden und Erfurt haben gezeigt: Ein Amoklauf kann überall passieren. Gibt es spezielle Anzeichen? Gibt es bestimmte Persönlichkeiten, die "anfällig" für einen Amoklauf sind? Mit diesen Fragen beschäftigt sich die Psychologie. Und sie hat einige interessante Antworten darauf!

Amoklauf

Allgemeines

"Das hätte ich nie von dem gedacht!"

Häufig sind die Täter, bevor sie den Amoklauf tatsächlich "durchziehen", sehr unscheinbar. In der Regel handelt es sich dabei eher um die "stillen Wasser". Oft wird im Nachhinein ein Zusammenhang zwischen der Tat und gewaltverherrlichenden Computerspielen konstruiert, quasi nach dem Motto: "Die Spiele haben ihn (oder sie) zum Amoklauf getrieben". Nun, Forschungen haben ergeben, dass dem nicht so ist. Zwar konsumieren Amoktäter entsprechende Medieninhalte, aber sie tun dies, um ihr Bedürfnis nach "Rache" mental durchzuspielen, bevor sie die Dinge selbst angehen.

Tiefenpsychologie des Amoks

"Bald seid ihr alle dran!"

Mindestens 50 Prozent aller Täter haben zum Zeitpunkt der Tat psychische Probleme. Ein Amoklauf steht meistens am Ende längerfristiger Planungen und geschieht in der Regel nicht "nur" spontan aus dem Affekt heraus. Der Täter hat meistens Zugang zu Waffen, lebt als Einzelgänger und fällt durch Verhaltenstendenzen auf, die seine Außenseiterrolle zementieren. Aus der Analyse von Abschiedsbriefen weiß man, dass häufig ein Zusammenhang zum Thema Rache besteht. Der Betreffende fühlt sich minderwertig, abgestoßen, schlecht behandelt - und daher will er sich rächen.

Phase 1 des Amoks

"Die mach ich alle!"

Die Fixierung auf das Thema "Tod" (in zahlreichen Facetten) kommt bei Amoktätern in der ersten Phase häufig vor. Der Betreffende entwickelt Allmachtsfantasien und bereitet sich somit mental auf einen bevorstehenden Racheakt vor. Die Wahrnehmung verändert sich: Mehr und mehr wird die soziale Umwelt "schwarz" eingefärbt. Jeder meint es - aus Sicht des Betreffenden - schlecht mit ihm. Also nabelt man sich immer mehr von den anderen ab und schafft somit auch eine emotionale Distanz.

Phase 2 des Amoks

"Jetzt geht's los!"

Am Tag X setzt der Betreffende nun seine Planungen um. Gerade bei Amokläufen an Schulen zeigt sich, dass es zuvor ausgiebige Überlegungen gegeben haben muss. In Winnenden etwa startete der Täter sein Morden kurz vor der Unterrichtspause, in Erfurt betrat der Täter mit einer Pumpgun das Schulgebäude im "passenden Moment".
Während des Amoklaufs sind die Täter in ihrer "Wahrnehmung" gefangen, von außen kommt man ihnen nicht bei. Beim Amoklauf in Columbine (USA) gingen die Täter dermaßen abgeklärt vor, dass man es kaum glauben kann (die beiden sprachen verschiedene Mitschüler mit Namen an, bevor sie sie erschossen).

Phase 3 des Amoks

"Jetzt ist Schluss!"

Der eigene Tod wird im Allgemeinen vom Täter in Kauf genommen. Quasi als "Krönung" will man von der Polizei erschossen werden. Auf diese Weise will man "unsterblich" werden. Die Amokläufe der letzten Jahre haben gezeigt, dass auch das Thema Selbstmord eine Rolle spielt. In allen drei genannten Fällen - Winnenden, Erfurt und Columbine - setzten die Täter ihrem Leben selbst ein Ende.
Sie hinterließen - und hinterlassen noch immer - Fassungslosigkeit sowie die Frage nach dem Warum.

Eine absolute Sicherheit gibt es nicht

"Was sollen wir nur tun?"

Wie kann man sich gegen Amokläufe schützen, etwa an Schulen? Sehr schwierig. Eine absolute Sicherheit gibt es nicht. Denn die Täter "aus den eigenen Reihen" gehen ja jeden Schultag in die Institution, die für einen Amoklauf infrage kommt. So lernt man sein "Spielfeld" und die "Schwachstellen" schnell kennen. An vielen Schulen in Amerika gibt es elektronische Kontrollen an den Eingängen. Solche Verhältnisse gibt es in Deutschland (noch) nicht. Und einen "Amok-Diagnostik-Katalog" gibt es auch nicht. Man kann nie wissen, ob es jemand letztlich ernst meint oder nicht.

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